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Johann Nepomuk von Ringseis (1785–1880)

Person und Persönlichkeit

Johann Nepomuk von Ringseis erblickte 1785 in Schwarzhofen im Landkreis Schwandorf das Licht der Welt. Geboren als Sohn eines Gastwirts und Bürgermeisters besuchte es zunächst die Klosterschule der Zisterzienser in Walderbach, um 1797 in das Studienseminar und das „Kurfürstliche Gymnasium“ in Amberg (heute Erasmus-Gymnasium) einzutreten.

Von 1805 bis 1812 studierte Johann Nepomuk Ringseis in Landshut Medizin. In dieser Zeit war Ringseis Teil einer Gruppe junger talentierter Männer, die sich - zunächst begeistert vom kritischen Geist der Aufklärung – der Strömung der Romantik zuwandten. Man betätigte sich literarisch, knüpfte Kontakte zu den Heidelberger Romantikern und begeisterte sich für das deutsche Volkslied und das Mittelalter. Im Jahr 1808 lernte Johann Nepomuk Ringseis im Haus des Rechtsgelehrten Karl von Savigni einen neuen Kreis von Romantikern um Savigny, Schelling und die Geschwister Brentano kennen und schloss Freundschaft mit Johann Michael Sailer. Unter dem Einfluss der „Landshuter Romantik“ wandte sich der zunächst religiös liberal gesinnte Ringseis dem bekennenden Katholizismus zu. 1)

„Bettina Brentano schildert Ringseis in Goethes Briefwechsel mit einem Kinde: „Nepomuk Ringseis, ein treuer Hausfreund, hat ein Gesicht wie aus Stahl gegossen, alte Ritterphysiognomie, kleiner, scharfer Mund, schwarzer Schnauzbart, Augen, aus denen die Funken fahren, in seiner Brust hämmert's wie in einer Schmiede, will vor Begeisterung zerspringen, und da er ein feuriger Geist ist, so möchte er den Jupiter aus der Rumpelkammer der alten Gottheiten vorkriegen, um ihn zu taufen und zu bekehren.“ “ 2)

Laufbahn

Nach Promotion (1812), vierjähriger Bildungsreise und Teilnahme am Frankreichfeldzug (1815) ließ sich Johann Nepomuk Ringseis als Arzt in München nieder. Hier wurde er Vertrauter des bayerischen Kronprinzen Ludwig, den er zwischen 1817 und 1824 als Leibarzt auf drei Italienreisen begleitete. Johann Nepomuk Ringseis übte auf Ludwigs spätere Kultur- und Gesundheitspolitik erheblichen Einfluss aus. Er gewann ihn für eine Erneuerung von Staat und Politik, Wissenschaft und Kunst im Sinne der Romantik. Auf Betreiben Ringseis‘ wurde die Landesuniversität 1826 von Landshut nach München verlegt. Nachdem Ringseis 1818 von Ludwig I. zum Medizinalrat ernannt worden war, wurde er 1824 außerordentliches, 1842 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und 1826 Ordinarius der medizinischen Fakultät der Universität. Darüber hinaus war er medizinischer Referent im Innenministerium. 3)

1834 erhielt er den Verdienstorden der Bayerischen Krone und damit den persönlichen Adelstitel. Auch politisch war von Ringseis tätig. Ab 1837 war er Abgeordneter der bayerischen Ständekammer. Elf Jahre später wurde er Mitbegründer des „Vereins für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit“. Als König Ludwig I. jedoch im Jahr 1848 abdankte, verlor Johann Nepomuk von Ringseis seine staatlichen Ämter.

Er starb am 22. Mai 1880 in München. 4)

Wirken und Schriften

Johann Nepomuk von Ringseis‘ Schriften weisen ihn als Erzkonservativen aus, der sich uneingeschränkt zum Katholizismus bekannte. Seine Reden als Hochschullehrer provozierten und schlugen „hohe Wellen“ 5). Er sprach sich in ihnen gegen den „Republikanismus, den flachen Zeitgeist und die verderbliche Areligiosität bzw. Aufklärung“ 6)  aus. 

In seinen medizinischen Werken zeigt er sich als Vertreter der „romantischen“ Medizin. Ringseis vertrat die Ansicht, dass der Sündenfall des Menschen als grundlegende Krankheitsursache anzusehen sei. Dieses Verständnis basiert auf Schellings Naturphilosophie und Leibniz‘ Ableitung körperlichen Übels aus dem sittlichen Verfall. Die daraus resultierende Behandlungsmethode beschäftigte sich daher weniger mit körperlichen Ursachen von Krankheiten als vielmehr mit der „gesunden“ oder „kranken „Seele“ des Menschen. Ringseis lehnte Mikroskop und Sektion ab. Er zählte unter anderem auf die heilende Wirkung der Sakramente und setzte daneben Aderlass, Brech- und Abführmittel als Heilmittel ein. Damit blieb Ringseis‘ Konzept ohne weiteren Einfluss auf die sich entwickelnde wissenschaftliche Medizin. 7)

Die „Erinnerungen“ Johann Nepomuk von Ringseis‘ sind nach Dr. Peter Czoik eine „kulturgeschichtliche Quelle, aber auch Zeugnis einer typischen Oberpfälzer Jugend um 1800“, „in einer Landschaft der Eisenhämmer, Glasschleifen und Fischweiher, in festen Formen bodenständiger Frömmigkeit und überlieferten Brauchtums, voller Begegnungen mit böhmischen Hopfenhändlern, Bergleuten aus dem Bayerischen Wald, mit der oberpfälzischen Sagenwelt und Geschichtsüberlieferung. Die Eindrücke der Schulzeit im Kloster Walderbach mit so reichen naturkundlichen und musikalischen Anregungen sind da nicht weniger gegenwärtig als die Erinnerungen an die Feier des Fronleichnamstages im heimatlichen Schwarzhofen.“ (Eberhard Dünninger) 8)

Erinnerungen an die Zeit der Jesuiten

Geheimrat Dr. Joh. Nepomuk. von Ringseis trauert nach seinem Eintritt 1797 in das Studienseminar in Amberg dem überragenden erzieherischen und unterrichtlichen  Wirken der Jesuiten nach.

„In den Seminarien herrschte nicht mehr die väterlich strenge und liebevolle Aufsicht, Wachsamkeit und Fürsorge wie zur Zeit der Jesuiten. Bei der raschen Aufhebung dieses Ordens waren plötzlich, und darum ungenügend vorbereitet, Benediktiner, in einigen Fällen Cistercienser an der Jesuiten Stelle getreten. Manche der neuen Prälaten, aus armen Hütten stammend und früh in die Welt geworfen, ermangelten für sich selbst und für die ihnen anvertraute Jugend der nötigen Reinlichkeits- und Anstandsbegriffe, und ebenso der traditionellen Einsicht, wie man die jungen Leute in leiblicher Beziehung zu halten und zu überwachen hatte. Wo die Eltern der Schüler nicht Aufsicht führten oder führen konnten, vernachlässigten letztere häufig ihren Anzug, ihre Betten usw. in arger Weise. Ich erinnere mich an Züge von mangelhafter Hausordnung, deren Unsauberkeit verbietet, sie wiederzugeben. (...) Aber nicht nur in Sachen des leiblichen Gedeihens, auch bezüglich der sittlichen Erziehung fehlte die unermüdet fleißige Aufsicht der Jesuiten. Zwar bestanden einzelne jesuitische Traditionen in der Anstalt fort, aber den Nachfolgern dieser Väter mangelte die Praxis. So lasen die Schüler z. B. Bücher nach Belieben. (...)

Wenn man die Jesuiten als Erzieher schwer entbehrte, so hatte nicht minder der wissen-schaftliche Unterricht durch ihre so plötzliche Zersprengung Schaden gelitten. Nicht umsonst war in beiden Rücksichten ihr Ruf in ganz Bayern und Oberpfalz ein so großer. Ihre berühmte, durch lange Tradition sehr vervollkommnete Lehrmethode war in der Tat eine vorzügliche, und wie viele hochgelehrte, berühmte Männer die übrigen Orden hervorgebracht und wie trefflich viele sich von deren Klosterschulen sich für den eigenen Bedarf oder den geistlichen Stand überhaupt erwiesen hatten, so gab es doch außer den Konvikten der Jesuiten wenige zum Jugendunterricht der Laienwelt geeignete Anstalten. Nachdem die Gesellschaft Jesu einmal aufgehoben war, wollte man auch ihre Lehrbücher nicht mehr benützen, sondern verfasste zum Teil neue, weniger tüchtige. (...) In Regensburg hatte sich noch ein Kollegium von Exjesuiten erhalten; Zöglinge, welche daselbst nur niedrige Plätze errungen, wurden nicht selten auf anderen Gymnasien die Ersten.“9)

Quellen:

  1. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
    Wormer, Eberhard J., "Ringseis, Johann Nepomuk von (bayerischer Personaladel 1834)" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 636-637 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860113X.html,
  2. Zitiert nach: Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
  3. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
    Wormer, Eberhard J., "Ringseis, Johann Nepomuk von (bayerischer Personaladel 1834)" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 636-637 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860113X.html,
  4. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
  5. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
  6. ebd.
  7. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
    Wormer, Eberhard J., "Ringseis, Johann Nepomuk von (bayerischer Personaladel 1834)" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 636-637 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860113X.html,
  8. Dr. Czoik, Peter, Johann Nepomuk von Ringseis, in: LiteraturportalBayern, Link: https://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?tas=Ipbauthor.default&pnd=11860113Xor
  9. aus Jugenderinnerungen des k. bayr. Geheimrats Dr. Joh. Nep. von Ringseis, in: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland, Bd. 75, München 1875, nach: Schulchronik zum 375. Gründungsjubiläum des Erasmus-Gymnasiums Amberg, hg. v. Direktorat des Erasmus-Gymnasiums Amberg (2000), S.72.
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