Anselm Desing (1699–1772)
Im Jahr 1999 ehrte die Stadt Amberg Anselm Desing mit einer Festschrift und einer großen Ausstellung in der Provinzialbibliothek Amberg. In ihrem Artikel in der Amberger Zeitung stellte Marielouise Scharf die Frage: „Ist das überhaupt gerechtfertigt?“ 1) Natürlich wurde diese Frage eindeutig mit Ja beantwortet. Deshalb erübrigt sich die Erklärung, Anselm Desing auch innerhalb der Geschichte des Erasmus-Gymnasiums einen besonderen Platz einzuräumen.
Geboren in Amberg am 15. März 1699 und auf die Vornamen Franz Josef Albert getauft, gehört Desing zu den „großen Söhnen unserer Stadt und zu den großen Gelehrten seiner Zeit!“ 2) Sein Vater Johann Georg war Regierungsadvokat und Hofrichter. Er starb früh, weshalb wohl der Arnbrucker Pfarrer Antonius Herdegen, ein Verwandter, Einfluss auf die Erziehung des Jungen nahm. Der hochbegabte Desing besuchte als 11-Jähriger das Jesuitengymnasium in Amberg, das er bereits nach 5 Jahren wieder verließ, um seine Studien in Wien fortzusetzen. 1717 trat er in das Benediktinerkloster Ensdorf ein, in dem er über 40 Jahre lang als Prior und Abt wirkte. Als Ordensnamen wählte er den Namen des großen Benediktinerheiligen und Begründers der Scholastik, Anselm von Canterbury (11. Jh.).
1736 erhielt Desing einen Ruf als Professor für Ethik und Geschichte an die Benediktineruniversität Salzburg, wo er ein Jahr später in Philosophie promovierte und das Fach Mathematik übernahm. 1740 wurde er außerdem Professor für Ethik und Geschichte und 1741 Dekan der philosophischen Fakultät. Versuche, die Studienordnung an der Universität Salzburg zu reformieren, brachten Anselm Desing große Widerstände ein, so dass er Ende 1743 seinen Rücktritt einreichte. Er kehrte Salzburg den Rücken und kehrte nach fehlgeschlagenen Plänen, in der Abtei Břevnov-Braunau bei Prag eine Ritterakademie mit einer damit verbundenen Benediktinerakademie aufzubauen, 1745 nach Ensdorf zurück. Hier hatte er Zeit, das der Ritterakademie der Abtei Kremsmünster versprochene Lehrbuch für Ethik, Politik und Jus Publicum zu verfassen. „Im Sommer 1746 bat ihn der Fürstbischof von Passau, Josef Dominikus Kardinal von Lamberg, sein persönlicher Berater zu werden. Anselm Desing ordnete das bischöfliche Archiv, die Bibliothek und beschäftigte sich eingehend mit kirchenrechtlichen Fragen. Außerdem arbeitete er an einer ratio studiorum für Kremsmünster, die er am 17. Mai 1747 dem Abt überreichte. Um die Ritterakademie weiter auszubauen, plante man in Kremsmünster den Bau einer Sternwarte. 1748 wurde nach einem Modell von Anselm Desing mit dem Bau begonnen, 1758 war sie vollendet. 1750 verließ er Passau und reiste aus Anlass des Heiligen Jahres nach Rom. Nach seiner Rückkehr erkannte er, wie weit die Aufklärung um sich griff und das rationalistische Naturrecht der Aufklärung an katholischen Universitäten Einzug hielt. Aus dem gemäßigten Aufklärer wurde ein entschiedener Gegner. Beredtes Zeugnis seines Kampfes gegen die Verklärung des Naturrechts ist – neben mehreren kleineren Verteidigungsschriften – vor allem sein Werk Juris naturae larva detracta (deutsch etwa „Demaskierung des Naturrechts“). Sein umfassendes Wirken auf vielfältigen Gebieten der Gelehrsamkeit bescherte ihm nicht zuletzt die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Wissenschaften (Historische Klasse).
Die letzte Phase seines arbeitsamen Lebens brachte Desing seit 1761 als Abt seines Klosters Ensdorf zu. In diesem Amt versuchte er, sowohl Ordenszucht als auch Bildungsstand zu heben und zeichnete sich in der Hungersnot des Jahres 1771 als Philanthrop aus. Hier entstand jedoch – trotz der vielen alltäglichen Aufgaben als Klostervorsteher – auch noch sein umfangreichstes Werk mit dem monumentalen Titel „Deutschlands untersuchter Rechtsgeschichte erster Teil“ (1768). Zu weiteren Bänden sollte es durch seinen Tod am 17. Dezember 1772 nicht mehr kommen. In seiner Trauerrede anlässlich des Begräbnisses betonte der Reichenbacher Ordensbruder Emmeram Kellner den angesichts der Leistungen des verstorbenen Abtes auf dem Gebiet der Astronomie ganz passenden Wunsch, dass der Verstorbene seiner mannigfachen Leistungen wegen „wie ein heller Stern ewig glänzen möge“.
1) AZ, Nr. 186 vom 15.08.1999
2) AZ, Nr. 186 vom 15.08.1999
Quellen:
Dr. Johannes Laschinger, Ein Gelehrter von universaler Weite, in AZ, Nr. 61 vom 15.03.1999
Marielouise Scharf, Multitalent und großer Sohn unserer Stadt, in AZ, Nr. 186 vom 15.08.1999
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