Hellas 2026 – oder „Alles ist voller Götter“ (Thales von Milet)
Alle (drei) Jahre wieder
Die „Griechen“ des EG unternahmen heuer wieder die traditionelle Griechenland-Rundreise, begleitet von den Griechisch-Lehrkräften StRin Krämer, OStRin Schleicher und StR Rau. Nach bewährter Manier näherten wir uns wie Odysseus und Co. dem Mutterland der europäischen Kultur per Schiff. Neu war allerdings der Zeitpunkt vor Ostern. Auf der Heimfahrt hatten wir daher mit einer etwas raueren Adria zu kämpfen. Anscheinend hatte jemand gegen Windgott Aiolos’ Rat den Schlauch der widrigen Winde geöffnet, sodass wir, wie seinerzeit Odysseus, Ithaka links liegen lassen mussten (man lese die Episode im 10. Gesang der Odyssee nach). Gut, diese Insel liegt nicht in der Adria, sondern im Ionischen Meer, das noch deutlich ruhiger war, und stand ohnehin nicht auf unserem Besichtigungsplan.
Blühende Landschaften
Dafür zeigte sich das griechische Frühjahr in seiner schönsten Pracht. Wir sahen Apollons Orakelstätte in Delphi, Agamemnons Burg in Mykene und Asklepios’ Kurpark samt berühmtem Theater in Epidauros in sattem Grün, durchsetzt mit bunten Blumen. Am Horizont ragten schneebedeckte Berggipfel in den Himmel, und die Bucht von Argos sowie der Golf von Korinth schimmerten tiefblau wie auf einem Gemälde – wahrhaft idyllische Landschaften wie in der antiken Hirtendichtung!
Pulsierendes Leben
Einen Kontrast zu diesen „elysischen Gefilden“ bot die Hauptstadt Athen, für die wir uns zwei Tage gönnten. Zuerst bewunderten wir die Meisterwerke griechischer Skulptur- und Reliefkunst im auch architektonisch hochinteressanten Akropolismuseum. Der für den Nachmittag angesetzte Rundgang durch die Plaka, die Altstadt Athens, mussten wir aufgrund einiger Regenschauer vorerst unterbrechen. Glücklicherweise befand sich unser Hotel sehr zentral, sodass wir unser Programm dennoch erfüllen konnten.
Am zweiten Tag erklommen wir in strahlendem Sonnenschein die Akropolis. Die vorab gebuchten Tickets – sicher eine Eingebung Athenas als Göttin der Weisheit an unseren Reiseveranstalter – ließen uns die lange Warteschlange wie mit Hermes’ Flügelschuhen überspringen.
Einen willkommenen Ausgleich zur Hektik des Stadtzentrums boten die Mittagspausen im weitläufigen Volkspark. Selbstverständlich gab es in Athen und vor allem am letzten Tag unserer Reise im malerischen Nauplia (Nafplio) auch ausreichend Zeit zum Souvenirkauf.
Anekdotisches
So praktisch die zentrale Lage unseres Athener Hotels schien, verlangte sie doch unserem Busfahrer Heinz seine gesamten Fahr- und Parkkünste ab. Bei der Abreise konnte der Bus wegen einer spontanen Straßensperrung nicht den vereinbarten Ort ansteuern. Glücklicherweise war unser roter Bus in gut zu sehen, als er in einiger Entfernung am Treffpunkt vorbeirauschte. Wir legten also mit unserem gesamten Gepäck einen Sprint ein, um ihn zu erreichen. Die Gepäckverladung am behelfsmäßigen neuen Einstiegsort blockierte für ein paar Minuten eine Seitenstraße, was aber die betroffenen Anwohner ohne auch nur einmal zu hupen gelassen hinnahmen. Respekt!
Bei der Überquerung des Isthmos, der an der schmalsten Stelle nur etwa sechs Kilometer breiten Landenge zwischen Attika und der Peloponnes, machten wir einen Fotostopp am Kanal von Korinth, der diese Landenge imposant durchschneidet. Ein Teil der Gruppe fand jedoch trotz vorheriger Mittagspause das Burger-Paradies auf der anderen Straßenseite verlockender und musste daher den eigenmächtig ausgedehnten Halt durch vorgezogene Bettruhe am Abend wieder ausgleichen.
Bei einer Mittagspause im Dorf Mikines (zu Füßen der Festung Mykene) überforderte unsere Gruppe den Wirt mit einer Großbestellung Pizzen. (Wer bestellt auch Pizza in Griechenland!) Weil einige von uns eine geschlagene Stunde auf ihr Essen warten mussten und sich die Weiterfahrt nach Nemea außerdem wegen der Suche nach einer geeigneten Tankstelle und einer verpassten Abzweigung verlängerte, verschloss man vor unseren Augen die Tore der dortigen Ausgrabungsstätte. Kein Problem, dachten wir, denn Nemea liegt auf dem Weg nach Patras, wo wir am Abreisetag ohnehin noch einmal vorbeikommen würden und genug Zeit für die Besichtigung des Zeustempels und des Stadions hätten. Zeus verwehrte uns aber auch an dem Nachholtermin den Zutritt zu seinem Heiligtum, da die Ausgrabungen in der Nebensaison (entgegen dem Aushang der Öffnungszeiten) dienstags immer geschlossen hätten. Obwohl wir so um unsere sportliche Betätigung im Stadionlauf gebracht wurden, akzeptierten wir den Willen des Göttervaters. Doch auch die Götter von Alt-Korinth, unserer Alternative, hatten etwas gegen einen spontanen Besuch in ihrer Stadt, indem sie die Zufahrtswege für den Bus verengten und die Verkehrsschilder unleserlich machten bzw. verschwinden ließen. Also verbrachten wir die Wartezeit auf die Fähre in einem Park am Meer in Patras.
Apropos Meer: Dass einige Schüler/innen in Tolo – unserer Ausgangsbasis für die letzten drei Tage – mit ziemlich (!) nassen Klamotten dem Meer entstiegen, obwohl man nur bis zu den Knien ins Wasser durfte, soll hier in den wärmenden Mantel des Stillschweigens gehüllt werden.
Fazit
Trotz – oder vielleicht auch wegen – der kleinen Pannen wird die Griechenlandfahrt sicher allen in bester Erinnerung bleiben. Die im Unterricht behandelten Stätten müssen unbedingt vor Ort hautnah erlebt werden!













